Der Gewürztraminer des Weinguts Krebs aus dem Markgräflerland ist eine kleine Besonderheit. Nicht nur im Portfolio des Weinguts, sondern auch in der Interpretation dieser so einzigartigen Rebsorte. Eine kleine Ausnahme, die wundervoll vielseitig ist und eine neue Tür öffnet. Was hinter diesem Wein steckt und wie er schmeckt, erfährst Du hier in 4 Minuten.
„Tatsächlich stand vor zwei Jahren die Frage im Raum, ob wir uns von dem Gewürztraminer trennen.
Ich habe mich aber stark gemacht dafür, dass er erhalten bleibt, weil ich die Rebsorte wirklich toll finde.“
Madeleine Krebs
Ganz ehrlich: mit Gewürztraminer hatte ich nie viel am Hut. Seine typische opulente Aromatik war mir immer ein bisschen zu viel. Zu doll. Zu übertrieben. Und dann schickte mir Madeleine Krebs vom badischen Weingut Krebs aus Binzen im südlichen Markgräflerland eine Flasche ihres Gewürztraminers 2023 zu.
Madeleine ist eine alte Bekannte; zusammen haben wir bei Moët Hennessy gearbeitet und uns schon damals wunderbar über Wein ausgetauscht. Heute arbeitet Madeleine mit ihrem Mann Maximilian Krebs auf dem Familienweingut in Binzen. Dort machen Sie Weine, die sich der Region verbunden fühlen. Dem Leben und dem Handwerk dieses bezaubernden Fleckchens Erde kurz vor der Schweizer Grenze und auch nur einen Steinwurf entfernt vom französischen Elsass.
Markgräflerland und badische Gelassenheit
Das südliche Markgräflerland ist die wärmste Region Deutschlands mit den meisten Sonnenstunden – ein Umstand, der bedeutsam ist für Wein. Ein mildes, ja fast schon mediterranes Klima bildet die Grundlage für den Weinbau, der sich vor allem auf eine für die Region so typische Rebsorte fokussiert: Gutedel. Für diesen, in der Schweiz als Chasselas bekannten Wein, werde ich bestimmt einen eigenen Beitrag schreiben, denn er ist viel zu unterrepräsentiert in der Wahrnehmung vieler Weintrinker.
Das mediterrane Flair der Region spiegelt sich auch und vor allem in der Herangehensweise der Familie Krebs an den Wein wider. Für die Winzer in siebter Generation – wobei der Ursprung der Familie tatsächlich im Küferwesen liegt – sind Gelassenheit und Respekt vor dem Ort eine der Grundmaxime in der Weinbereitung. Aus diesem Grund haben die Lagenweine auch den wundervoll – und für Ortsfremde völlig unverständlichen Zusatz „Numme Nüt Huddle“.
Diese alemannische Redewendung lässt sich wahrscheinlich am besten übersetzen mit: Bloß nichts überstürzten. Dies ist nicht nur die Grundmaxime der Weinbereitung auf dem Weingut Krebs, sondern vielmehr eine so typisch badische Lebenseinstellung.
Gewürztraminer – eine besondere Rebe im Weingut Krebs
Und diese Lebenseinstellung findet sich wieder. In der Herangehensweise an den Wein und seine Machart.

Die Trauben wachsen auf dem Binzener Brunnacker, eine durch den für die Region so typischen Lehm-Löss-Komposition mit wundervoller Südlage. Und vor allem mit feinen Kalkablagerungen! Dort bewirtschaftet die Familie Krebs knapp 2,1 Hektar und neben dem Gewürztraminer wachsen dort Chardonnay und Spätburgunder. Der Gewürztraminer ist also in exzellenter und vor allem anspruchsvoller Gesellschaft.
Der Brunnacker ist die einzige Lage, auf dem beim Weingut Krebs Gewürztraminer wächst und somit ist die Ertragsmenge recht gering und es werden nur rund 400 bis 500 Flaschen des Weins pro Jahr produziert.
Ein echter Markgräfler
Die Trauben für den Gewürztraminer aus der Reihe „Numme Nüt Huddle“ werden von Hand gelesen und erleben eine Maischestandzeit von rund 24 Stunden, und so wird noch mehr Aroma aus der Traube – vor allem der Schale – extrahiert. Ausgebaut wird der Wein in Edelstahltanks, um eine ausgeglichene Balance dieser aromareichen Rebsorte zu ermöglichen und eine Filigranität zu erzielen, die so schwer zu treffen ist bei Gewürztraminer.
Genau dieser vor allem zum Elsass so gegensätzliche Stil ist es, den man erreichen möchte. Oder wie Madeleine Krebs sagt:
„Unser Gewürztraminer ist im Vergleich dazu meiner Einschätzung nach eleganter, feiner und vielleicht auch etwas frischer. Eben ein echter Markgräfler“
Zeit also, den Weingut Krebs Gewürztraminer 2023 aufzumachen und ins Glas zu geben.
Weingut Krebs Gewürztraminer in der Nase
Leicht angereift unter einem Drehverschluss leuchtet der Wein wundervoll gold-gelb und strahlt wie die Sonne über dem südlichen Markgräflerland.
Wer jetzt eine Aromaexplosion erwartet, wird sich wundern. Natürlich ist der Weingut Krebs Gewürztraminer duftig und zeigt seine Aromen vom ersten Moment, doch das mit einer Frische und Eleganz, die schon in der ersten Nase erstaunlich ist! Vor allem erstaunlich kitsch-befreit.
Es finden sich gelbe Früchte – vor allem Aprikose und Pfirsich – und ein zarter Hauch Muskat. Vor allem die Fruchtnoten sind im ersten Eindruck vordergründig, aber ohne überbordend zu wirken. Eine feine Balance kommt von Apfelnoten. Dazu weiße Blüten.

Ja, es ist unverkennbar ein Gewürztraminer: etwas pudrig vielleicht, aber dennoch frisch. Man ist geneigt, dem Kalkanteil des Binzener Brunnacker dafür die Verantwortung zu übertragen.
Vor allem das blumige und florale prägt sich weiter aus, zieht jedoch bezaubernde Fruchtnuancen mit sich. Pfirsich, Birne, Quitte und Melone finden sich – der perfekte Obstkorb. Doch wieder erfrischend, feingliedrig und elegant. Dazu vielleicht etwas Ingwer und eine feine Honigsüße. Jetzt gerade wünschte ich mir, genau diesen Wein in zehn Jahren nochmals zu probieren – ich glaube, der könnte fabulös reifen!
Über Frucht und Eleganz
Im Mund präsentiert sich der Weingut Krebs Gewürztraminer vom ersten Schluck an mit einer tollen Kombination aus Frucht, Würze und Säure. Ganz ehrlich: für einen 10-Euro-Wein hätte ich das so fantastisch nicht erwartet. Mein erster Gedanke ist: wow!
Feine Zitrusnuancen von Grapefruit, dazu weißer Pfeffer und dieses saftige, gelbe Steinobst. Dieser Gewürztraminer ist wunderbar! Trotz seines halbtrockenen Charakters mit 15,7 g Restzucker ist er durch eine finessreiche Säure toll ausbalanciert und überzeugt ohne nervige Süße und ohne Kitsch.
Ja, es finden sich auch Anklänge der so typischen Litschisüße, aber fabelhaft integriert und keinesfalls dominant. Im Übrigen wie die 12,5 % Vol. Alkohol, die super fein eingebunden sind. Der Wein hat eine dichte Textur, ohne aufdringlich zu wirken, und hinterlässt im Nachklang eine wundervolle Fruchtigkeit und Floralität zwischen Rosé und Weiß.
Das Resümee einer Überraschung
Und er macht Appetit. Nicht dieses typische Riesling-Bock-auf-Essen, aber dennoch. Dieser Gewürztraminer wäre ein fantastischer Speisenbegleiter für leicht scharfe Gerichte asiatischen Ursprungs. Aber vor allem hätte ich mit diesem Wein Lust auf eine Wurst- und Käseplatte.
Lokale, deftige und würzige Snacks, dazu nette Menschen und ein Sonnenuntergang im südlichen Markgräflerland – das wäre jetzt genau das perfekte Setting für diesen Wein. Aber zum Glück funktioniert er auch ganz fantastisch hier in Potsdam. Bestimmt auch bei Dir!
Der Weingut Krebs Gewürztraminer ist eine absolute Überraschung und ein Grund für mich, dieser besonderen Rebsorte mehr Aufmerksamkeit zu widmen.
Allgemeine Information
- Hersteller: Weingut Krebs
- Rebsorte: Gewürztraminer
- Land: Deutschland
- Region: Baden
- Ausbau: Edelstahl
- Alkoholgehalt: 12,5% Vol.
Vielen Dank an Madeleine Krebs für die Bereitstellung dieser Flasche – außer Wein ist hier nichts geflossen.